Wie macht man einen Girlsday in der Informatik?

Der kurze Artikel schildert die Ergebnisse des ersten Girlsdays der HDM. Damit Nachahmer und zukünftige Veranstalter es etwas leichter haben, habe ich hier einige wichtige Informationen zusammen getragen. Feedback der Schülerinnen und Schedule mit Veranstaltungen, Tips, Ideen und Links helfen bei neuen Veranstaltungen. Es lohnt sich den Feedback der Schülerinnen genauer zu studieren. Eine kurze Analyse im nächsten Abschnitt.

Dank, Rückblick und Ergebnisse

Im Sommer 2008 hat die HDM ihren ersten Girlsday veranstaltet. Hier finden sich Bilder aber auch Hinweise auf neue Girlsdays der HDM .

Medieninformatik (MI) hat 23 Workshops/Demos/Kurse/Vorträge organisiert und war mit über 30 Leuten im Einsatz.

Es hat alles wunderbar geklappt. Allerdings steckte massiv Arbeit dahinter, nicht nur am Tag selbst. Ich möchte daher allen Teilnehmern für ihr grosses Engagement sehr herzlich danken. Und ich möchte im Anschluss an eine kurze Dastellung des Girlsdays und der Konzepte dahinter noch kritisch auf Dinge eingehen die wir für die Zukunft klären sollten.

Die Hauptlast wurde sicher von unseren Studentinnen getragen, die jedoch auch vom männlichen Teil von MI spontan und zahlreich unterstützt wurden. Am Girlsday selbst sind noch Helfer am Morgen aufgetaucht weil sie gehört hatten dass wir noch Hände brauchen! Und die haben wir auch gebraucht. Und auch Alumni haben sich bereiterklärt spontan Kurse zu halten oder sind von ihrer Diplomarbeit auswärts schnell mal an die HDM gekommen.

Auch andere Studiengänge, hier vor allem Audivisuelle-Medien (AM), haben uns hervorragend unterstützt und haben bei Workshops mitgemacht oder für uns Bilder gemacht oder gefilmt.

Selbst von der Uni Stuttgart hat uns der Jörg "Mufti" Scheurich mit seinen Workshops zu Animation und Modellierung toll unterstützt. Und auch da konnten wir noch zwei übungshelfer beisteuern ohne die es nicht gegangen wäre.

Hinter den Kulissen war auch der MI Staff nicht untätig sondern hat dafür gesorgt dass Infrastruktur (Software/Userids, Touchscreens etc.) für die Workshops vorhanden und einsatzbereit war. Und etliche Vorträge wurden ebenfalls geha

Und nicht zuletzt verdanken wir unserer Abteilung für öffentlichkeitsarbeit, speziell Frau Duwe, dass wir überhaupt so vielen Schülerinnen etwas über Informatik erzählen konnten. Es hat sich auch gezeigt dass der Plan die Schülerinnen altersmässig in Gruppen einzuteilen und dann nach einem festen Schema von Veranstaltung zu Veranstaltung zu führen - begleitet von Betreuern die die Räume etc. kennen - absolut richtig war. So hat jeder Workshop bzw. Vortrag sein Publikum und man kann einen echten Querschnitt über ein Studium vermitteln. Sonst sitzen nur alle im Fernsehstudio...

Ich denke das MI-Konzept mit dem Schwerpunkt auf Workshops und Hands-on Kursen ist voll aufgegangen, zumindest wenn man dem Feedback der Teilnehmerinnen und Gruppenbetreuer glauben darf. Wenige, möglichst interaktive Vorträge mit wenigen oder ohne Slides sowie eine spontante, informelle Studienberatung. Spezielle Sessions für die ganz Kleinen. Unbezahlbar ist jedoch die Begeisterung mit der die MIler die Informatik vorstellen und vertreten und die sehr stark auf die Besucher wirkt. Diese Begeisterung und auch die "Atmosphäre MI" lassen sich natürlich nicht als Konzept planen sondern sie sind die Folge eines auch sozial funktionierenden Studiengangs.

Wir sind teilweise auch überrascht worden: So waren unsere 3D Modellierer überrascht wie schnell Fünftklässler ein komplexes GUI wie 3DSMAX bedienen und anwenden können. Ich selber war überrascht wie viel eine neunte Klasse bereits über Sicherheit am Internet weiss! Und uns alle hat wohl verblüfft wie lebendig und auch technikinteressiert die Mädchen wenn keine Jungs dabei sind! Die alten Vorstellungen wie "Die Jungs sind halt viel besser in Technik.." sind schon noch massiv vorhanden und nur schwer zu durchbrechen. Da hilft es einfach wenn Workshops oder Vorträge von Studentinnen oder gemischten Teams abgehalten werden. Und vor allem wenn die Mädchen die Scheu überwinden und aktiv etwas gestalten können. Diese Scheu scheint im momentanen Informatikunterricht an den Schulen nicht überwunden zu werden. Kein Wunder: bei meinen Umfragen bei der Studienberatung stellte sich heraus dass kaum eine der Schülerinnen den Informatikunterricht (wenn er denn stattfand) besuchte bzw. wenn doch, dann als sehr uninteressant empfand.

Auch bei der Studienberatung war es wichtig dass das Studium vor allem aus weiblicher Sicht vorgestellt wird - der Selektionsprozess gegen Technikfächer hat ja schon lange vorher angefangen auf der Schule und die Mädchen kommen mit entsprechenden Vorurteilen. Generell sollten wir m.E. auch am Studientag so vorgehen. Das grundsätzliche Konzept dass Studentinnen/Studenten das Studium vorstellen haben wir da ja bereits angefangen und ich halte es für sehr gut.

Aber ich denke auch wir konnten bei den Girls einiges an falschen überzeugungen zur Informatik korrigieren indem wir versucht haben die Breite und Offenheit des MI-Studiums zu zeigen. Und das ist uns sehr gut gelungen.

In Zukunft noch besser machen

Nun zu den Dingen die wir noch angehen sollten für die Zukunft:

Aufwand

Nachdem der Girlsday zunächst einige Zeit ein Waisenkind innerhalb von MI war habe ich versucht ihn im Stil eines unserer Days aufzuziehen. Das funktioniert so nicht gut. Der Aufwand gerade in der Vorbereitung ist viel grösser, speziell auch für die Studentinnen die entweder mit der Organisation (Frau Jäger, Frau Krauss) oder mit der Ausarbeitung spezieller, altersgerechter Workshops/Vorträge inlusive Lehrmaterialien beschäftigt waren. Hier müssen wir in Zukunft viel länger planen und einen Container wie das kleine Tutorium nutzen um den Studentinnen die Arbeit wenigstens in ECTS anrechnen zu können. Die Aktivität "mehr Frauen im Informatik-Studium" muss schlicht organisatorisch besser verankert werden bei MI.(ich könnte mir im Zeitalter der bildungsmässigen Fliegenbeinzählerei auch gut vorstellen dass der Frauenanteil in technischen Studiengängen durchaus einmal ein Kritierium für Förderung und Ausbau wird. In der Industrie (z.B. IBM) ist das nichts Neues mehr). Das ist besonders bedeutsam wegen dem zweiten Punkt: Wiederholung

Zukünftige Girlsdays

Ich denke der riesige Aufwand lohnt sich nur wenn wir ab jetzt jedes Jahr am Girlsday teilnehmen. Denn wir werden frühestens in 3-4 Jahren Effekte sehen. Andere Universitäten bieten noch mehr an: Sommer-University Kurse für Mädchen, Schnupper-Semester etc. Was ich bisher über solche Aktivitäten gelesen habe besagt im Wesentlichen: Nur die Universitäten die aktive Programme für Mädchen anbieten haben auch mehr Frauen dann im Studium. Das führt zurück zu Punkt 1: Aufwand... Und wir sollten überlegen auch am Studientag evtl. nach Geschlechtern getrennte Studienberatung/Workshops durchführen. Das führt über zum 3.Punkt: Nachbearbeitung

Nachbearbeitung/Zwischendurch Vorträge etc

Oft kam von den Mädchen die Frage: Kann man denn mal einfach so etwas bei MI anhören? Wir haben ja jetzt e-mail Adressen von interessierten Schülerinnen (in newspeak "Leads" genannt). Eine Firma würde diese Kontakte jetzt pflegen z.B. mit regelmässigen Einladungen zu Vorträgen die für die Altersgruppe geeignet wären. Wie gehen wir damit um? Nutzen wir die Adressen um die Schülerinnen z.B. zum Studientag explizit einzuladen? Wer und wie pflegt die Datenbank? (der alte Satz von Erich Kästner kommt einem hier wieder in den Sinn: "Es gibt nichts Gutes ausser man tut es")

Poster/Stand/Präsentation allgemein

Es hilft ungemein Poster zum Studiengang zu haben mit denen Stand etc. dekoriert werden können. Zu einer erfolgreichen Darstellung gehören Aufstell-ständer, Wände etc. Ideen und Vorschläge hierzu sind natürlich willkommen. Ich muss sagen dass mich das Ausmass und der Erfolg des Girlsdays sowie die spontane Bereitschaft von MIlern dazu beizutragen sehr überrascht haben. Nochmals von meiner Seite ein ganz grosses Dankeschön an alle die mitgemacht haben!